Trauern

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Trauern

Dem Tod zu begegnen, einen nahe stehenden Menschen zu verlieren, ruft verschiedene, oft intensive Gefühle und andere Reaktionen hervor. Wir möchten Sie ermutigen, damit aktiv umzugehen.

Aufmerksam die eigene Stimme hören

Wenn Sie können, hören Sie sich selbst und Ihren inneren Stimmen aufmerksam zu. Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse wahr. Äußern Sie Ihre Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse, wo es Ihnen möglich erscheint - z.B. gegenüber vertrauten Menschen, in vertrauten Räumen. Vielleicht hilft es Ihnen, ein Tagebuch zu führen und Ihre Gedanken aufzuschreiben. Erinnerungen werden hoch kommen, vielleicht Fragen, Erstaunen. Viele Menschen werden von Schuldgefühlen, Schuldfragen und Schuldzuweisungen  geplagt - dahinter steckt manchmal wirkliche Schuld, oft aber vor allem der Wunsch, der oder die Tote könnte noch leben, wenn doch nur .. Oder das Schuldgefühl verweist auf Versäumtes, von dem man wünschte, man könnte es noch miteinander erlebt haben. Es hilft besonders, diese Wünsche zu notieren und mit den damit verbundenen Bildern zu arbeiten.

Loslassen

Der Tod hat einen Menschen aus Ihrer Mitte herausgerissen. Viele Menschen reagieren darauf mit dem Versuch, etwas von dieser Person festzuhalten. Wenn man jetzt von Ihnen verlangt wird, den verstorbenen Menschen loszulassen, heißt das nicht, die Erinnerung an ihn loszulassen oder ihn nicht mehr zu lieben. Loslassen heißt, anzuerkennen, dass das Zusammenleben mit dem verstorbenen Menschen zuende ist und ich mich im Leben neu orientieren muss. Es heißt anzuerkennen, dass ich als Mensch Grenzen habe und nicht alles kontrollieren kann. Es heißt hinzunehmen, dass ich nicht alles, was ich zum Leben brauche, selber machen kann, sondern auch damit lebe, was mir gegeben und genommen wird.

Es heißt auch, mir bewusst zu machen, dass auch mein eigenes Leben befristet ist, dass auch ich sterben werde. Die Begegnung mit dem Tod kann mich lehren, mein eigenes Leben bewusster zu leben. So heißt es im 90. Psalm: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.".

Selbstmitleid

Selbstmitleid ist weithin verpönt. Zu Unrecht, wie wir finden. Im Selbstmitleid drückt sich die Zärtlichkeit aus, mit der Sie sich jetzt in dieser schwierigen Situation selbst umfangen können: Was Sie jetzt von sich erwarten. Welchen Druck Sie sich zumuten. Wo Sie Entlastung und Hilfe annehmen können.
Selbstmitleid drückt sich darin aus, dass Sie sich selbst glauben: "Ja, diese Situation tut weh." Oder, wenn Sie diesen Tod nicht als gerecht empfinden: "Ja, ich begehre gegen diesen Tod auf!"

Hilfe erbitten

Viele Menschen sind dafür ausgebildet, Angehörige von Verstorbenen in den unterschiedlichen Herausforderungen zu beraten, zu begleiten oder zu helfen. Ärztinnen bzw. Ärzte, Pfarrerinnen und Pfarrer, Psychotherapeuten und -therapeutinnen zum Beispiel haben in der Regel viel Erfahrung und können aus der jeweiligen Perspektive unterstützend tätig werden. Lebensberatungen - zum Beispiel von der Diakonie - oder Selbsthilfegruppen finden Sie ebenfalls in fast jeder Stadt. Freunde begleiten Sie im Alltag. Der Tod ist eine extreme Grenzerfahrung - bitte erwarten Sie nicht von sich selbst, dass Sie alles alleine meistern müssen.

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Publikationsdatum dieser Seite: Samstag, 9. Dezember 2017 19:03