Klassik

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Johann Sebastian Bach

Weicht ihr Trauergeister, aus: "Jesu meine Freude" BWV 227

Musik kann vieles. Musik kann erfreuen und beleben, kann mutig und fröhlich machen, Musik kann auch trösten. Harmonien und Melodien können in Kummer und Leid, in Einsamkeit und Verzagtheit als Tröster auftreten. In den Zeiten der Kriege war Musik oftmals das einzige, was die Menschen aufgerichtet und getragen hat. Das wird an vielen Stellen und von vielen Menschen bezeugt. Komponisten haben bewusst Texte der Bibel und Kirchenlieder gewählt, um diese in Töne und Klänge umzusetzen.

Auch ohne es zu wollen, kann Musik dabei für Menschen zu einem wichtigen Halt, zu Trost und Zuversicht werden. Ich denke dabei an meine Ausbildungszeit in Bethel zurück, wo ich als Diakon gearbeitet und auch im Posaunenchor geblasen habe. Jeden Sommerabend in den Ferien sind wir mit einer kleinen Gruppe durch Bethel gezogen und haben vor den Krankenhäusern ein "Ständchen" geblasen - meist und immer wieder Choralsätze von Johann Sebastian Bach. Es war für uns junge Männer eine Freude und Spaß, diese wunderbaren Choräle nur einfach spielen zu können. Dabei haben wir nicht daran gedacht, was das bewirken könnte. So bliesen wir mit unseren Trompeten und Posaunen an einem warmen und lauen Sommerabend vor dem Krankenhaus, in dem gemütskranke Frauen untergebracht waren. Wir musizierten ohne Konzept einen Choral nach dem anderen, u.a. auch Sätze aus der Motette "Jesu, meine Freude" BWV 227 von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Als wir geendet hatten und unsere Instrumente einpackten, kam eine der Frauen, die auf der Terrasse zugehört hatte, auf uns zu und bedankte sich dafür, dass wir ihr die 5. Strophe des Liedes gespielt hätten. Wir sahen uns verdutzt an. Wir verstanden nicht, was sie meinte. Wir hatten nur zwei Sätze von dem Lied geblasen. Sie hatte die 5. Strophe gehört! Als ich das Notenbuch noch einmal aufschlug und nachschaute, fand ich die 5. Strophe. Sie lautet:

Weicht, ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister, Jesus tritt herein.
Denen, die Gott lieben, muss auch ihr Betrüben lauter Freude sein. 
Duld ich hier schon Spott und Hohn, dennoch bleibst du auch im Leide:
Jesu, meine Freude!

Karl-Heinz Saretzki

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Publikationsdatum dieser Seite: Samstag, 9. Dezember 2017 19:05