Gottesdienstentwürfe

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Erinnerungsgottesdienst für Trauernde und Menschen die sie begleiten

"Symbol Labyrinth" von Eva Maria Loggen

Musik zur Einstimmung: Behusher Chosid (Trad.)

Begrüßung

Votum

Gottes Atem bewege mich
Geist der Wahrheit erhebe mich
Kraft der Liebe durchströme mich. Amen

Lied - Tief in der Erde Text: Bärbel Wartenberg-Potter Musik: aus Israel

Klagepsalm:
Mir ist so schwer, Herr,
in meinem Keller der Einsamkeit
umgibt mich lähmendes Entsetzen;
das Nichts macht sich breit
und erobert mich seit Wochen
mehr und mehr,.

Auf welcher glückselig heitren Insel
habe ich gesessen, bis dass es kam,
das Wort, das Schwert,
und schnitt mir tief ins Fleisch.

Was haben wir getan, dass es uns traf?
Der Sturz, so grundlos tief,
das Licht verändert sich im Fallen.
Was nützt das Fragen nach dem Sinn,
der Zweifel bohrt, so sage mir,
gibt es den denn?
So wäre ich getröstet,
wär'n Zufall und Chaos gewichen.

Ich könnte toben, rasen, schreien,
zerschlagen alles um mich rum,
an Tränenströmen fast ersticken,
doch besser alles das
als diese schrecklich dumpfe Kälte.

O Herr, so nimm mich denn
in deine Arme,
bring Licht und Weite mir,
erlaube mich mit meiner Angst,
mit meinem Schrecken und der Not.
Die Ahnung wächst als leiser Strahl,
es gibt einen Weg, im Dunkeln noch;
doch folgen will ich seinem Locken.

Vielleicht geht Leben weiter;
unendlich an der Zahl die Toten,
die Trauer türmt sich hoch,
doch aus dem Tod erwächst das Leben,
und Wind geht hin und her und weiter.
Ich will versuchen mich zu wiegen
Und Teil zu sein von werden und Vergehen.

(von Silke Gross)

Musik zum Hören: A song without words (J. Johow)

Gebet und Stille-Gebet

Lied/Kanon: Wechselnde Pfade Text: baltischer Hausspruch Melodie: unbekannte Herkunft

Meditation:
Das Labyrinth von Chartres
Ein Kreis mit verschlungenen Wegen
Auf dem Boden gemalt in einer uralten Kirche, der Kathedrale von Chartres, 13. Jh.
Mönche haben das Labyrinth auf den Fußboden und nicht an die Wand gemalt,
um auf dem Pilgerweg im Kontakt mit dem Boden zu sein, der uns trägt.
Denn mit den Füßen werden diese Wege gegangen.

Von oben gesehen erscheint das Symbol wie ein Kreis, wie ein sich drehendes
Rad.
Das Rad der Zeit, das Rad der Geschichte. Gezackt ist ein Rand, wie bei einem
Zahnrad.
Ein Rad, das sich dreht und mit anderen Rädern zusammengreift, meine und deine
Lebensgeschichte, miteinander und doch ganz für sich.

Wenn wir das Labyrinth aus der Nähe betrachten, dann sehen wir verschlungene Wege
mit vielen Windungen, Wendungen, Umwegen.
Im Inneren eine Blume, eine Blüte, die sich geöffnet hat.
Da zieht es uns hin, dort, in die Mitte, wie die Biene das Innere der Blüte sucht.

Ich möchte Sie einladen, dass wir zusammen in Gedanken mit unseren Augen
Uns auf diesen Pilgerweg machen,
um anzukommen in der Mitte, am Ziel.

Gewöhnlich denken wir uns die Zeitlinie unseres Lebens als einen Fluß´,
der strömt von einem Tag in den anderen,
von einem Monat zum nächsten und von Jahr zu Jahr.

Im Labyrinth wird unser Weg in eine neue Form gegossen, neu gedeutet.
In die Form der runden Kreise,
gehalten und angezogen durch eine Mitte,
strömend zum Inneren hin und strömend nach außen.

Unser Leben in dieser Form zu schauen ist eine wunderbare Erweiterung unserer Sicht.

Doch lasst uns den Weg nun gehen.

Hier ist der Anfang (Blume hinlegen)
Recht schnell kommen wir voran, zur Mitte hin.
Nur eine Wendung, und schon sind wir fast am Ziel!
Schon schauen wir das Innere der Blume.

Doch da es kommt anders.
Weg, weit weg müssen wir gehen.
Eine Kehrtwendung, unendlich viele Windungen,
und weg führt der Weg, außen um die Mitte herum und fort von ihr!
Rückschritte, statt Schritte nach vorn!

Was ist es, das uns so zurückwirft?

Vielleicht hast du etwas erlebt, eine Krankheit kam in dein Leben,
ein Mensch, der zu dir gehört, geht von dir und ist von dir gegangen, oder stirbt.
Nichts bleibt mehr, wie es war.
Wir müssen innehalten und kehrt machen.
Die Blickrichtung wechseln.
Anderes anschauen,
vielleicht Altes, Vergangenes erinnern, Durcharbeiten.

Die Frage nach den letzten Dingen fordert neue Antworten von dir
und du suchst.
Du klagst und fragst: Wozu diese Umwege und Windungen?
Kann ich nicht einfach zur Mitte gehen, zur Ruhe finden, zu Gott?

Irgendwann wirst du wieder weiter gehen, ganz langsam. Schritt für Schritt.
In einer neuen Richtung zunächst.
Du wechselst hinüber zur anderen Seite,
lernst neue Seiten des Lebens kennen,
und sammelst bisher unbekannte Erfahrungen.

Manchmal gehen wir auf unserem Weg
Bis an den äußersten Rand,
weg von dem, was uns bisher gehalten und getragen hat.
Es scheint, als hätten wir uns verlaufen.
Wir laufen gegen Wände und wissen nicht mehr weiter.
Manchmal das Ziel vor Augen, zum Greifen nahe, und dann so weit zurückgeworfen.
Zurück wie an einen Anfang, und wir glauben: es war alles umsonst.

Und dann, plötzlich, wie von selbst -
die Mitte.
Du kommst an die Mitte
am Ziel
bei dir selbst

Ausruhen
tief durchatmen
dich spüren
in deiner Haut
mit deinem Herzschlag
in deiner Lebendigkeit
und Einmaligkeit.
,Einfach zur sein.

Bald wirst du wieder hinausgehen,
denn vieles bringt dich weg,
aber
jetzt weißt du:
der Weg wird dich leiten.
Und die Mitte wird dich rufen.

Wege des Lebens Wege zum Selbst

Gedenken


Aktion:
Anleiten zur Aktion 
Blumen, Efeu, Goldstift, Draht - Gebinde machen, Namen der/des Verstorbenen auf
Efeublatt schreiben
Anleitung zum Tanz außen um das Labyrinth herum
Dazu: Giora Feidman-Musik von CD
Einsammeln der Blumen. Einer geht durch das Labyrinth mit allen
Sträußchen zur Mitte, legt sie dort nacheinander in eine Schale mit Wasser
dabei: Verlesen der Namen
Rausgehen aus dem Labyrinth, alle schauen zu.

Dazu: Musik zum Nachspüren
Stille
Alle singen Kanon :
Wechselnde Pfade

Schreittanz um das Labyrinth nach Musik von Giora Feidman (The Blessing Nigun)

Musik zum Nachspüren: Halleluya (Trad.)

Fürbittengebet und Vaterunser

Lied/Kanon (Wdhlg) "Wechselnde Pfade."
Ansage:
Einladung zum Tee anschließend

Segen:
Gott segne deine Augen, dass du weinen kannst
und nicht in der Kälte deiner Trauer erstarrst.
Gott segne deine Begegnungen; damit du Menschen findest,
die dir geduldig und verstehend zuhören.
Gott segne einen Mund, damit du Worte findest
für deine Trauer und deinen Schmerz.
Gott segne deine Schritte, dass du einen Weg findest
in dein neues Leben.
Gott segne dein Herz, dass deine Erinnerung wie ein
Nest wird, in dem du dich bergen kannst.
Gott segne dich damit, dass dein Glaube nicht zerbricht
und deine Hoffnung wächst,
denn er sieht und hört, tröstet und befreit
unseren Tod zu neuem Leben.

Musik zum Ausklingen:
Main Umet /My Sorrow (J. Johow)

Gebete - Lyrik - Meditation
Ich fühle mich
Ich lebe mit

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Publikationsdatum dieser Seite: Samstag, 9. Dezember 2017 19:03