![Rotes Land [(c) Angela Cremer]](/trauernetz_images/rotes_land.jpg)
Ich fühle mich wütend
"Das ist nicht fair! Das ist einfach nicht fair!" - Der Tod und das Schicksal sind keineswegs immer gerecht. Und wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, wächst schnell der Ärger. Die Gesichtszüge verhärten, die Muskeln spannen an, die Wut kriecht immer mehr in einem hoch. Die Hilflosigkeit angesichts der eigenen Ohnmacht lässt einen wütend werden. Wütend auf das Schicksal, wütend auf andere. Und manchmal auch wütend auf sich selbst.
Zur Wut gesteigerter Ärger kann mächtig werden. Wer rasend ist vor Wut, reagiert oft unverhältnismäßig, im schlimmsten Fall zerstörerisch. Dinge werden gesagt oder getan, die einem später Leid tun. Aber Wut, die unterdrückt wird und die nicht rausgelassen werden darf, ist auch nicht besser. Sie kann innerlich auffressen, sie macht krank, und das nicht nur seelisch. Was hilft mir, wenn die Wut in mir wächst? Habe ich ein Ventil, Druck abzulassen, wenn ich merke, dass ich anfange, vor Wut zu kochen?
In der Bibel finden sich Schilderungen, in denen Menschen aus Trauer oder Wut ihre Kleider zerreißen. Ob das ihre Aggression damals lindern half? Ich weiß es nicht. Heutzutage fehlen uns gesellschaftlich akzeptierte Formen, Wut kontrolliert auszuleben. Oft ist man allein gelassen. Dennoch will mit Wut umgegangen sein, gerade damit sie nicht (selbst-)zerstörerisch wird.
Hilfreich empfinden viele, sich körperlich zu betätigen, sei es richtig sportlich oder nur durch das Laufen an der frischen Luft. Manche akute Wut verraucht dabei. Ferner mag helfen, mit nahe stehenden Menschen über die momentanen Gedanken und Gefühle zu reden. Und dabei darauf zu vertrauen, dass diese Menschen einen auch mit aller Wut tragen und ertragen.
Detlev Prößdorf
