Kleines Lichtland XIV [(c) Angela Cremer]

Ich möchte Trost

"Ich bin untröstlich" - ich hatte diese Redewendung vorher nie verstanden.
Jetzt wusste ich, was es heißt: "um Trost ist mir bange". Und doch: Wie nur könnte ich weiterleben ohne Hoffnung, dass es nicht doch eines Tages Trost geben könnte? Wäre ohne sie nicht alles verloren? Hätte Gott damit nicht endgültig seine Waffen gestreckt, resigniert und kapituliert vor der Wirklichkeit des Todes?

Trostlosigkeit - wie viel Endgültigkeit steckt in diesem Wort ... Und wie viel Seelen-Sehnsucht danach, dass Schmerz und Trauer einmal doch aufgehoben sein werden. "Trost von Menschen kann mir nicht helfen!" sagt der Psalmist. Es sind nicht die Worte, es ist die Treue, die Mut macht. Und es ist die Berührung.

In einem unbemerkten Augenblick steckte mir die fünfjährige Tochter der Nachbarn einen Zettel in die Tasche. Eine Sonne, eine Blume und ein Regenbogen. "Ich will dich trösten" stand darunter in ungelenker Schrift. Die vier Worte in zarten Strichen zogen mir mein Herz zusammen. Und eine Wärme floss hinein, unsagbar und zugleich wunderbar. Da hatte mir Gott doch einen Engel geschickt. Ein kleiner Sieg des Lebens.

Markus Eisele

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Publikationsdatum dieser Seite: 08.12.2011 17:38