Licht und Raum XI [(c) Angela Cremer]

Ich lebe mit Mächten

Ich glaube nicht an personifizierte Mächte des Bösen.
Ich glaube nicht an gefallene Engel, nicht an Teufel, Geister oder Dämonen.

Und doch,
jetzt, wo das Sterben und der Tod eines von mir so geliebten Menschen
mein Leben verdunkelt,
jetzt spüre ich:
Da sind Kräfte und Mächte in mir, die mich niederdrücken und gefangen halten.
Mein vergebliches Fragen und Suchen nach dem "Warum?" und "Wozu?" dieses Todes.
Meine Traurigkeit und mein Zorn, meine Resignation und meine Verzweiflung.
Meine gedanklichen Fluchten in eine von glücklichen Erinnerungen verklärte Vergangenheit.
Alles das erlebe ich tagtäglich als meinem Wollen und Wünschen widerständige Mächte.

Und diese Mächte werden in mir zu Mauern,
sie mauern mich gleichsam ein,
sie schotten mich ab von Not-wendenden Gotteserfahrungen,
sie trennen mich von der Liebe und der fühlbaren Nähe meiner Mitmenschen.

Doch es gibt - Gott sei Dank! -
auch die andere Erfahrung:
Menschen um mich herum durchbrechen die Mauern dieser Mächte.
Menschen kommen mir nahe
in ihren verständnisvollen Worten und mit ihren zärtliche Berührungen.

Menschen werden mir zu guten Mächten,
die mir neue Kräfte, neuen Mut und neues Vertrauen schenken.
Sie helfen mir - wenn auch mit verwundetem Herzen -
wieder neu zu glauben und neu zu singen:
"Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag." ( D. Bonhoeffer)

Anne und Nikolaus Schneider

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Publikationsdatum dieser Seite: 08.12.2011 17:22