![Drei Zonen [(c) Angela Cremer]](/trauernetz_images/drei_zonen.jpg)
Ich fühle mich einsam
Eine Geste der Einsamkeit statt Worte: Sich zusammen ziehen, wie erschlafft, ohne Kraft und Energie, keine Kontaktmöglichkeiten fühlen, Müdigkeit und Gleichgültigkeit, Scham (Man darf Einsamkeit einem nicht ansehen), verlassen sein, von denen, die einem Freund waren. Verraten auch von allem, was mir teuer war, ganz und gar einsam wie ein und wie am Kreuz! "Ach" ,ist der dazugehörige Laut. Und Abgrund der gähnende Blick. Muss ich den Kompromiss eingehen zwischen meinem Kummer über die endgültige Entfernung der Toten und dem innigen Wunsch, sie in einer anderen Form von Nähe dazubehalten? Mir geht es wie den ersten Christen. Auch sie waren Verlassene, ihr intimer Ergänzer Jesus war ermordet worden. Sie hatten überlebt. Aber Überleben heißt eben nicht nur nacheinander in schöner Generationsfolge zu leben, es bedeutet auch nicht, es länger im Leben auszuhalten als andere, sondern im eigenen Leben den Tod des Anderen beherbergen. Verlust und Verletzung bewahren wie etwas Kostbares, eben nicht zu Überwindendes, wie einen die Sinne berührenden Sinn. Es gibt eine geheimnisvolle Beherbergung der Trauernden, die den Verlust in sich bewahren wie einen sorgsam gehüteten Schatz. Einsamsein als Ruhen in sich, als etwas sehr Kostbares schützen.
Wolfgang Teichert
